Höhere Temperaturen

Meeresschildkröten haben Fortpflanzung an den Klimawandel angepasst

 Robert Klatt

Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) )kcotS ebodAevitaerC erutciP(Foto: © 

Die Temperatur beeinflusst bei Meeresschildkröten das Geschlecht des Nachwuchses und die Schlupfrate. Die Tiere haben deshalb ihre Fortpflanzung bereits an den Klimawandel angepasst. Es ist jedoch unklar, ob die Schildkröten auch auf die weiter steigenden Temperaturen reagieren können.

Exeter (England). Bei der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) und der Grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas) beeinflusst die Nisttemperatur, ob aus den Eiern Weibchen oder Männchen schlüpfen. Je höher die Temperatur ist, umso mehr Weibchen schlüpfen. Außerdem sinkt die Erfolgsrate der Schlupfrate bei höheren Temperaturen merklich.

Forscher der University of Exeter und der Society for the Protection of Turtles haben deshalb eine Prognose aufgestellt, laut der der Klimawandel bis 2100 dazu führen könnte, dass kaum noch Unechte Karettschildkröten schlüpfen werden, wenn die Tiere ihre Nistsaison nicht an die geänderten Umweltbedingungen anpassen.

Analyse der Nistsaison der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta)

Um das Fortpflanzungsverhalten und eine eventuelle Anpassung an den Klimawandel bei der Unechten Karettschildkröte zu untersuchen, haben die Forscher laut ihrer Publikation im Fachmagazin Endangered Species Research Thermometer in den Nestern platziert, während die Eierablage erfolgt ist. Anhand der Daten konnten sie ermitteln, dass die Schildkröten bis 2100 ihre Nistsaison pro Jahr um 0,5 Tage früher beginnen müssen, um das aktuelle Geschlechterverhältnis beizubehalten und 0,7 Tage früher, um die Erfolgsrate der Schlupfrate aufrechtzuerhalten.

Die vorliegenden Daten zeigen zudem, dass die Unechten Karettschildkröten auf Zypern ihre Nistsaison seit 1993 um 0,78 Tage pro Jahr früher starten. Die Tiere reagieren also bereits auf den Klimawandel, der mit seinen höheren Temperaturen früher für gute Nistbedingungen sorgt.

„Es gibt jedoch keine Garantie, dass sie dies weiterhin tun werden – das hängt stark davon ab, wie stark die Temperaturen steigen und was sie fressen. Wenn sich die Verfügbarkeit ihrer Nahrung zeitlich verschiebt, könnte es zu einer ökologischen Entkopplung zwischen Nahrungs- und Brutgebiet kommen.“

Meerestemperatur beeinflusst Nistverhalten der Grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas)

In einer zweiten Studie haben die Forscher untersucht, welche Faktoren das Nistverhalten der Grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas) beeinflussen. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Proceedings of the Royal Society B haben sie dazu Daten von 600 Grünen Meeresschildkröten analysiert, die am selben Strand in Zypern ihre Eier ablegen.

Die Studie zeigt, dass die Meeresschildkröten ihr Nistverhalten an die Meerestemperaturen anpassen. Wenn diese um ein Grad Celsius zunimmt, legen die Schildkröten ihre Eier 6,47 Tage früher.

„Um herauszufinden, ob die beobachtete Vorverlegung auch in Zukunft anhält, ist es entscheidend, die kombinierten Effekte von Faktoren wie der Altersstruktur der Population und der individuellen Reaktion der Schildkröten auf Umweltveränderungen zu verstehen.“

Zudem erklären die Forscher, dass es angesichts der vorliegenden Ergebnisse noch nicht klar ist, ob die Meeresschildkröten die weiterhin steigenden Temperaturen mittel- und langfristig ertragen können.

„Auch wenn unsere Schildkröten derzeit mit den steigenden Temperaturen zurechtkommen, bleibt unklar, wie lange sie dies noch schaffen werden, bevor die Bedingungen in Zypern ungeeignet werden. Möglicherweise könnten jedoch kühlere Orte im Mittelmeer als neue Nistplätze infrage kommen.“

Endangered Species Research, doi: 10.3354/esr01382

Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2024.1809

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