Disorazol Z1

Antikrebsmittel aus Bakterien erstmals synthetisch produziert

 Robert Klatt

Disorazol Z1 attackiert Tumorzellen (Symbolbild) )kcotS ebodAaidem.rebierhcsretep(Foto: © 

Der natürliche Wirkstoff Disorazol Z1 könnte die Krebstherapie revolutionieren. Nun haben Forscher das Molekül erstmals synthetisch produziert und damit die Basis für eine zukünftige Optimierung geschaffen.

Magdeburg (Deutschland). Der Wirkstoff Disorazol Z1 besitzt eine der höchsten Zytotoxizitäten, kann also die Teilung von Zellen hochwirksam verhindern und Zellen zerstören. In der Medizin wird Disorazol Z1 deshalb als potenzielles Antikrebsmittel erforscht. Normalerweise wird der Naturstoff von Bakterien produziert, die global verbreitet sind und oft in organischen Abfällen wie Ziegenmist leben. Um Studien mit dem Wirkstoff durchführen zu können, muss er bisher auf den Bakterien extrahiert werden.

Forscher Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) haben nun erstmals den Disorazol Z1 synthetisch hergestellt. Laut den Wissenschaftlern um Seniorprofessor Dr. rer. nat. habil. Dieter Schinzer vom Institut für Chemie ist die Totalsynthese der hochaktiven natürlichen Verbindung ein wissenschaftlicher Durchbruch, der die Krebsforschung voranbringen könnte.

Picomolare Konzentration von Disorazol Z1

Weil der Wirkstoff extrem aktiv ist, haben die Forscher nur eine minimale Menge produziert. Sie wollten so verhindern, dass es zu Gesundheitsrisiken kommt.

„Die Substanz ist extrem aktiv“, erklärt Prof. Dieter Schinzer. „Wir sprechen von picomolaren Konzentrationen, also zwölf Nullen hinter dem Komma. Deshalb haben wir aus Sicherheitsgründen zunächst nur zwei Milligramm hergestellt und dabei strenge Schutzvorkehrungen getroffen - Handschuhe, Mundschutz, geschlossene Abzüge. Hätten wir größere Mengen produziert, hätte das gesundheitliche Folgen haben können.“

Wie die Forscher erklären, war die Totalsynthese des Wirkstoffs komplex. Um das Molekül aufzubauen, haben sie moderne chemische Verfahren sowie hochpräzise analytische Methoden verwendet, die die genaue Struktur der synthetisierten Verbindung eindeutig verifizieren.

Modifikation des synthetischen Wirkstoffs

Laut den Forschern liegt der große Vorteil des synthetischen Wirkstoffs darin, dass dieser gezielt so modifiziert werden kann. Die biologischen Eigenschaften der Verbindung können dadurch für medizinische Anwendungszwecke optimiert werden.

„Wir haben die Natur nachgeahmt, aber mit einem entscheidenden Vorteil. Bakterien produzieren Disorazol Z1 nur in einer bestimmten Form, wir können es gezielt anpassen und für medizinische Anwendungen optimieren.“

Die Wissenschaftler möchten in Kooperation mit Pharmaunternehmen nun den Wirkstoff so modifizieren, dass dieser sich nur an einen spezifischen Antikörper bindet. Es soll dadurch im Körper des Menschen gezielt zum Tumor geleitet werden können und erst dort seine aktiven Substanzen freisetzen, die anschließend die Zellteilung der Tumorzellen unterbinden. Dadurch würde es zum Zelltod (Apoptose) des Tumors kommen, während das übrige Gewebe nicht beeinträchtigt wird.

„In Zusammenarbeit mit Industriepartnern soll die Substanz nun so weiterentwickelt werden, dass sie gezielt Krebszellen angreift, während gesunde Zellen weitgehend verschont bleiben.“

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