Robert Klatt
Viele Babys kommen mit einem Herzfehler zur Welt, der kurzzeitig mit einem Herzschrittmacher behandelt werden muss. Ein neues, nur reiskorngroßes Implantat, das per Spritze verabreicht werden kann, macht die Operation überflüssig.
Evanston (U.S.A.). Etwa ein Prozent aller Babys kommt mit einem Herzfehler zur Welt. Ärzte müssen diesen Babys bisher operativ einen Herzschrittmacher implantieren. Bei den meisten Betroffenen erholt sich anschließend das Herz innerhalb weniger Tage, und der Herzschrittmacher ist nicht mehr erforderlich. Er wird deshalb mit einer weiteren Operation aus dem kleinen Körper entfernt.
Forscher der Northwestern University (NU) haben nun einen neuen winzigen Herzschrittmacher entwickelt, der kleiner als ein typisches Reiskorn ist und mit einer Spritze verabreicht werden kann. Nach einigen Tagen im Körper zersetzt sich das Implantat und die Bestandteile des Herzschrittmachers werden auf natürlichem Wege ausgeschieden. Die Operationen zur Implantation und zur späteren Entfernung sind also nicht nötig.
"Wir haben, soweit wir wissen, den kleinsten Herzschrittmacher der Welt entwickelt. Gerade bei pädiatrischen Herzoperationen besteht ein großer Bedarf an temporären Schrittmachern, und hier ist Miniaturisierung essenziell. Je kleiner die Belastung für den Körper, desto besser.“
Laut der Publikation im Fachmagazin Nature ist der neue Herzschrittmacher so klein, weil dieser aus mehreren Modulen besteht. Der eigentliche Herzschrittmacher wird durch die Spritze in den Körper des Patienten gebracht, während das Mess- und Steuermodul, das den Herzschlag überwacht und kontrolliert, wann der Herzschrittmacher aktiv wird, sich auf der Brust des befindet. Die Kommunikation zwischen dem Herzschrittmacher im Körper und dem externen Mess- und Steuermodul läuft über Lichtsignale ab, die die Haut, die Muskeln und sogar die Knochen durchdringen können.
Der winzige Herzschrittmacher hat bereits Tierversuche und Versuche mit menschlichen Spenderherzen erfolgreich durchlaufen. Bevor das neue Implantat tatsächlich in der Medizin verwendet werden kann, sind aber noch klinische Studien erforderlich. Die Wissenschaftler halten es für realistisch, dass der Herzschrittmacher in wenigen Jahren im klinischen Alltag verwendet wird.
Nature, doi: 10.1038/s41586-025-08726-4