Robert Klatt
Rückenschmerzen sind ein Volksleiden, das immer öfter mit Injektionen direkt in die Wirbelsäule behandelt wird. Nun wurde untersucht, wie gut diese epiduralen Injektionen tatsächlich helfen.
Hamilton (Kanada). Etwa ein Fünftel aller Menschen zwischen 20 und 59 Jahren leidet unter chronischen Rückenschmerzen. Die Ursachen der Rückenschmerzen lassen sich oft nicht diagnostizieren, und eine Behandlung ist nur schwer möglich. Ärzte setzen deshalb oft auf eine Kombination aus Physiotherapie und Schmerzmitteln, darunter vor allem Injektionen, die direkt in die Wirbelsäule verabreicht werden. Weil diese sogenannten epiduralen Injektionen in den letzten Jahren stark zugenommen haben, haben Forscher der McMaster University (McMaster) nun ihre Wirksamkeit untersucht.
„Diese Prozeduren sollen die chronischen Schmerzen lindern, indem sie die Nerven betäuben, ihre Schmerzleitung blockieren oder lokale Entzündung abschwächen.“
Wie die Wissenschaftler erklären, haben ältere Studien widersprüchliche Ergebnisse erbracht. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin The BMJ haben die Forscher deshalb 81 klinische Studien erneut analysiert. In diesen Studien haben die Patienten mit chronischen Rückenschmerzen entweder Schmerzmittel oder ein Placebo erhalten.
Die Metastudie zeigt, dass Injektionen in die Wirbelsäule weder bei chronischen Rückenschmerzen noch bei Nervenschmerzen wie dem Ischias besser helfen als ein Placebo. Die Wirksamkeit ist sowohl bei epiduralen Injektionen mit Betäubungs- und Schmerzmitteln als auch bei Spritzen mit Cortison gering.
„Diese Interventionen haben wahrscheinlich kaum bis keinen schmerzlindernden Effekt. Sie sind nicht heilend und selbst wenn sie überhaupt eine Wirkung zeigen, dann müssen diese Injektionen in den Muskel, die Wirbelgelenke oder das Epidurum alle zwei bis drei Wochen wiederholt werden.“
Die Forscher sprechen sich angesichts der Risiken der Injektionen gegen diese Behandlungsmethode aus. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Vernarbungen im Gewebe und Infektionen der Wirbelsäule. Die Datenlage ist laut den Wissenschaftlern jedoch noch dünn und es ist denkbar, dass die Injektionen bei bestimmten Untertypen von Schmerzen im Rücken sinnvoll sein könnten.
„Weitere Forschung ist nötig. Sie könnte beispielsweise klären, ob es Subtypen chronischer Rückenschmerzen gibt, für die diese Injektionen doch wirken.“
Dass Spritzen bisher trotzdem oft verwendet werden, liegt laut den Studienautoren daran, dass Patienten sich davon eine Linderung ihrer Schmerzen erhoffen und das Gesundheitssystem daran gut verdient.
The BMJ, doi: 10.1136/bmj-2024-079970