Robert Klatt
In Deutschland ist die Gesamtzahl der Straftaten 2024 durch die Teillegalisierung von Cannabis leicht gesunken. Die Gewaltkriminalität hat jedoch, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, zugenommen. Daran soll auch die Covid-19-Pandemie schuld sein.
Wiesbaden (Deutschland). Das Bundeskriminalamt (BKA), die Zentralstelle der deutschen Kriminalpolizei, hat heute die aktuelle Polizeilichen Kriminalstatistik veröffentlicht. In Deutschland wurden 2024 über 5,8 Millionen Straftaten registriert, also leicht weniger als im Vorjahr (- 1,7 %). Der Rückgang geht größtenteils auf die Teillegalisierung von Cannabis zurück. Wenn man alle mit Cannabisanbau und Cannabiskonsum verbundenen Straftaten aus der Statistik herausrechnet, liegen die Straftaten 2023 und 2024 auf einem ähnlichen Niveau.
Die Gewaltkriminalität, darunter Taten wie Vergewaltigungen, Raub, schwere Körperverletzungen und Tötungsdelikte, ist 2024 leicht gestiegen (+ 1,5 %). Insgesamt wurden 217.000 Fälle verzeichnet. Es handelt sich dabei um einen neuen Höchststand seit 2010, den die Innenministerin Nancy Faeser (SPD) als besorgniserregend bezeichnet. Laut ihr ist es besonders kritisch, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Tatverdächtige bei Gewaltverbrechen sind.
„Jeden Tag verzeichnet die Polizei rund 600 Gewaltdelikte.“
Holger Münch, der Präsident des BKA, erklärt, dass die Zunahme der Gewaltkriminalität bei Kindern und Jugendlichen unter anderem auf die Covid-19-Pandemie zurückgehen könnte. Diese soll in Kombination mit anderen ungünstigen Faktoren die Wahrscheinlichkeit für Gewaltdelikte erhöht haben.
„Wir haben Hinweise aus anderen Daten, dass die psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen zugenommen haben, insbesondere im Vergleich zur Zeit vor der Covid-19-Pandemie.“
Außerdem kam es in Deutschland 2024 zu mehr Gewalt gegen Frauen, darunter Vergewaltigungen, sexuelle Nötigung und sexuelle Übergriffe (+ 9 %). Die Innenministerin fordert deshalb entsprechende Konsequenzen.
„Wir brauchen ein stärkeres Schutz- und Hilfesystem für Frauen. Wir brauchen aber auch eine effektive Strafverfolgung der Täter. Und wir brauchen endlich die elektronische Fußfessel, damit sich Täter bedrohten Frauen nicht mehr unbemerkt nähern können.“
Messerangriffe wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik 2024 erstmals erfasst. Es gab demnach innerhalb eines Jahres über 15.000 dieser Gewaltverbrechen.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik enthält auch Informationen über die Tatverdächtigen. Wenn man ausschließlich Delikte, die unabhängig vom Aufenthaltsstatus begangen werden können, berücksichtigt, hat über ein Drittel der Verdächtigen keine deutsche Staatsangehörigkeit. Die Bundesinnenministerin betont in diesem Zusammenhang, dass es nicht allein um eine konsequente Strafverfolgung gehe, sondern ebenso um entschlossene Abschiebungen.
„Darüber muss man reden, ohne Scheu, aber auch ohne Ressentiments zu schüren.“