Robert Klatt
In Deutschland ist die Lebenszufriedenheit, die Gesundheit und der Wohlstand in Regionen, die zuvor von den Römern beherrscht wurden, noch immer höher. Persönlichkeitsmerkmale, wie eine erhöhte Gewissenhaftigkeit und Extraversion, sind in ehemals römischen Gebieten ebenfalls stärker ausgeprägt.
Amsterdam (Niederlande). Der Wohlstand, die Lebensqualität und die allgemeine Zufriedenheit der Menschen haben sich in Deutschland im Laufe der Geschichte nicht überall gleichmäßig entwickelt. Forscher der University of Amsterdam (UvA) haben nun untersucht, welche Faktoren für die großen Unterschiede verantwortlich sind. Dabei haben sie entdeckt, dass die regionale Ausprägung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale wie Extraversion, Neurotizismus oder Verträglichkeit einen großen Einfluss hatte.
„Wir fanden regionale Cluster solcher adaptiven Persönlichkeitseigenschaften, die mit besserer Gesundheit und höherem Wohlbefinden einhergehen.“
Wie die Forscher erklären, reichen diese Faktoren als Erklärung für die großen Unterschiede aber nicht aus. Sie haben deshalb analysiert, ob historische Entwicklungen und jahrtausendealte politische Strukturen noch heute die Lebenszufriedenheit beeinflussen.
„Physische Mauern aus der Vergangenheit können sich in langfristige psychologische Barrieren verwandeln, die bis heute Gesellschaften trennen.“
Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Current Research in Ecological and Social Psychology haben die Forscher über 2.000 Jahre der Geschichte von deutschen Regionen untersucht. Diese waren während der römischen Herrschaft durch den Limes geteilt. Es war somit möglich, Regionen zu differenzieren, die vom Römischen Reich beeinflusst wurden und die nicht unter dem Einfluss standen.
Die Studie hat zudem Daten aus einer Umfrage mit über 70.000 Teilnehmern zur aktuellen Lebenszufriedenheit und statische Verfahren einbezogen. Diese zeigen, dass die römische Besatzung noch immer einen bedeutenden Einfluss hat. Menschen, die in früher von Römern besetzten Regionen leben, haben eine höhere Lebenszufriedenheit, eine bessere Gesundheit und eine höhere Lebenserwartung.
„Selbst wenn man jüngere historische Faktoren sowie diverse physische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen wie Geologie, Klima oder wirtschaftliche Entwicklung berücksichtigt, bleibt der Zusammenhang bestehen.“
Laut den Studiendaten sind in Deutschland, in ehemals römischen Gebieten, bestimmte Persönlichkeitsmerkmale noch immer stärker ausgeprägt, darunter eine erhöhte Gewissenhaftigkeit und Extraversion sowie weniger Neurotizismus. In der Psychologie sind diese Eigenschaften mit einer hohen Lebenszufriedenheit verknüpft.
Um ihre Ergebnisse zu prüfen, haben die Forscher eine ähnliche Untersuchung in den Niederlanden durchgeführt. Der Limes hat auch hier das Land zweigeteilt. Trotz des kleineren Untersuchungsgebiets zeigten sich dort ähnliche, teilweise sogar stärkere Effekte des römischen Einflusses auf Persönlichkeitsmerkmale als in Deutschland.
„Das deutet darauf hin, dass sich die deutschen Ergebnisse auf ein anderes Land mit eigener Geschichte entlang derselben römischen Grenze übertragen lassen. Ob das jedoch auch für alle Länder mit römischer Vergangenheit gilt, muss noch erforscht werden.“
Die Studie zeigt somit, dass die Geschichte auch auf unser heutiges psychologisches und gesellschaftliches Profil einen großen Einfluss hat und Deutschland sowie die Niederlande noch immer prägt.
„Geschichte prägt uns auf eine Weise, die wir oft übersehen. Die psychologischen Grenzen, die wir heute beobachten, könnten ihren Ursprung tief in der Vergangenheit haben.“
Current Research in Ecological and Social Psychology, doi: 10.1016/j.cresp.2025.100214