Robert Klatt
Solar- und Windkraftanlagen stehen oft in der Kritik, weil sie deutlich größere Landflächen benötigen als konventionelle Kraftwerke. Golfplätze, die nur wenige, wohlhabende Menschen nutzen, beanspruchen jedoch deutlich größere Flächen.
Jülich (Deutschland). Solar- und Windkraftanlagen, darunter etwa der kürzlich eröffnete größte Solarpark Deutschlands, stehen oft in der Kritik, weil sie deutlich größere Landflächen benötigen als konventionelle Kraftwerke. Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich (FZJ) haben deshalb eine Studie erstellt, die den Bodenbedarf von Solar- und Windenergie mit den Landflächen von Golfplätzen, also Anlagen, die nur eine kleine Gruppe der Gesamtbevölkerung nutzt, verglichen hat.
Laut der Publikation im Fachmagazin Environmental Research Communications beanspruchen Golfplätze in vielen Ländern, darunter die U.S.A. und Großbritannien, deutlich mehr Raum als Einrichtungen für erneuerbare Energien. In den zehn Ländern mit der höchsten Anzahl an Golfanlagen könnte die Fläche der Golfplätze Kapazitäten von bis zu 842 GW für Solarenergie und 659 GW für Windkraft bereitstellen. In den meisten Ländern liegt die theoretische Kapazität für die Produktion von erneuerbaren Energien auf den Flächen der bestehenden Golfplätze deutlich über der aktuell installierten Leistung.
Neben dem hohen Flächenbedarf der Golfplätze haben diese in vielen Regionen einen hohen Wasserverbrauch und benötigen eine regelmäßige Behandlung mit Chemikalien. Die ökologischen Auswirkungen sind deshalb enorm. Wie die Forscher erklären, ermöglichen großflächige Solar- und Windparks hingegen eine nachhaltigere Nutzung des verfügbaren Landes und helfen bei der Reduzierung von CO₂-Emissionen.
Im Mittel benötigen Solarparks etwa 0,01 km² Land pro Megawatt (MW) und Windparks etwa 0,12 km² pro MW. Es wird jedoch nur ein kleiner Teil dieser Flächen tatsächlich von den Anlagen verwendet, während der übrige Teil von Pflanzen bewachsen werden kann. Diese Diskrepanz zeigt, dass die Prioritäten bei der Flächennutzung überdacht werden sollten.
„Unsere Studie befürwortet nicht die direkte Umwandlung von Golfplätzen, aber sie hebt das enorme Potenzial für erneuerbare Energien auf vergleichbar großen und ungenutzten Flächen hervor. Angesichts der andauernden Debatten über die Flächennutzung für erneuerbare Energien ist es entscheidend, unsere gesamte Landvergabe zu überdenken – insbesondere wenn erhebliche Flächen Aktivitäten vorbehalten sind, die nur einer begrenzten Bevölkerungsgruppe zugutekommen.“
Environmental Research Communications, doi: 10.1088/2515-7620/adb7bd