Robert Klatt
Rindfleisch ist sowohl aus der Weidehaltung als auch aus der industriellen Massentierhaltung die CO₂-intensivste Proteinquelle. Um die klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren, sollten Verbraucher stattdessen pflanzliche Alternativen essen und Fleisch nur in minimalen Mengen kaufen.
Annandale-on-Hudson (U.S.A.). Die Produktion von tierischen Lebensmitteln verursacht signifikante Umweltschäden und beschleunigt durch die hohen CO₂- und Methanemissionen den Klimawandel. Die Rindfleischindustrie argumentiert deshalb oft damit, dass Kunden Fleisch aus Weidehaltung kaufen können, weil bei dieser Produktionsmethode große Grasflächen verwendet werden, die laut den Unternehmen CO₂ speichern. Dies soll die hohen Emissionen ausgleichen, die bei der Rinderzucht entstehen.
Forscher des Bard College haben nun eine Studie publiziert, die die Emissionen der Weidehaltung untersucht hat. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin PNAS haben sie dazu ein Modell entwickelt, das auf realen Daten zu Erträgen, Futterbedarf und Emissionen von Rinderherden in den U.S.A. basiert. Sie konnten so die Klimaauswirkungen von grasgefüttertem und industriell produzierten Rindfleisch vergleich.
Das Modell berücksichtigt zudem, wie viel CO₂ typische Weideflächen tatsächlich aufnehmen können. Dabei wurden ausschließlich sogenannte echte Weidelandschaften berücksichtigt, also Gebiete mit niedriger Bodenqualität, auf denen keine Landwirtschaft möglich ist. Laut den Forschern sollen Rinder nur Flächen nutzen, die für den menschlichen Nahrungsmittelanbau ungeeignet sind.
Die Berechnung zeigt, dass Weiderinder in den U.S.A. selbst unter optimalen Bedingungen zwischen zehn und 25 Prozent höhere Emissionen pro Kilogramm Protein als industriell erzeugtes Rindfleisch freisetzen. Die Emissionen bleiben auch dann höher, wenn man die CO₂-Speicherung durch den Boden einberechnet. Grasgefütterte Rinder erzeugen zwischen 180 und 290 kg CO₂-Äquivalente pro Kilo Protein und industrielle gezüchtete Rinder zwischen 180 und 220 kg CO₂-Äquivalente.
Die Wissenschaftler haben zudem die CO₂-Emissionen von anderen Proteinquellen mit Weiderindern verglichen. Alternativen wie Schweinefleisch, Geflügel, Käse, Milch und pflanzliches Eiweiß erzeugen demnach pro Kilogramm Protein lediglich fünf bis 35 Prozent der Emissionen der effizientesten Weiderinderherden.
Laut der Studie produzieren Weiderinder so hohe Emissionen, weil ihre Futterzusammensetzung viel Lignin und Zellulose enthält, die die Rinder zu Methan verstoffwechseln. Zudem ist das Graswachstum saisonal begrenzt. Deshalb wird das Futter oft mit energieaufwendiger Silage oder Heu ergänzt, das angebaut und transportiert werden muss, und die Tiere wachsen langsamer und bleiben leichter als Rinder aus der industriellen Zucht. Dies erhöht die Emissionen pro produziertem Kilogramm Protein.
Die Wissenschaftler schlussfolgern daraus, dass weder die Weidehaltung noch die industrielle Massentierhaltung eine gute Lösung ist. Stattdessen sollten die Verbraucher ihren hohen Fleischkonsum, insbesondere von Rind, kritisch hinterfragen. Stattdessen sollten sie pflanzliche Proteinquellen konsumieren, deren CO2-Intensitität deutlich geringer ist.
„Rindfleisch ist so klimaschädlich, dass es keinen Platz auf der Liste alltäglicher Lebensmittel haben sollte. Es sollte denselben Seltenheitswert wie Hummer oder Austern bekommen. Rindfleisch und Umweltbewusstsein schließen einander aus. Wenn Sie nicht völlig auf Rind verzichten können, essen Sie so wenig wie nur irgend möglich.“
Forscher der New York University (NYU) kamen kürzlich zu einem ähnlichen Ergebnis. Laut ihrer Studie würde bereits eine minimale Reduzierung der Fleischproduktion in wohlhabenden Ländern den CO₂-Anteil in der Atmosphäre deutlich reduzieren.
PNAS, doi: 10.1073/pnas.2404329122